Einheit 4: Sexuelle Gewalt gegenüber älteren Menschen

Ältere Menschen, insbesondere solche mit Demenz oder solche die in Pflegeeinrichtungen leben, sind besonders anfällig für sexuelle Gewalt. Probleme mit der Erfassung von sexueller Gewalt gegen ältere Menschen und das Problem des zu späten Erkennens sexueller Gewalt generell, bedeuten intensiven Forschungsbedarf. Die Weltgesundheitsorganisation definiert sexuelle Gewalt als "jede Handlung und jeden Versuch, einen sexuellen Akt ... gegen die Sexualität einer Person, mit Zwang von jeglicher Person ... in in jeglichem Setting zu erzwingen" (WHO, 2015 S. 35).

  Einführung

Ältere Menschen, insbesondere solche mit Demenz oder solche die in Pflegeeinrichtungen leben, sind besonders anfällig für sexuelle Gewalt. Probleme mit der Erfassung von sexueller Gewalt gegen ältere Menschen und das Problem des zu späten Erkennens sexueller Gewalt generell, bedeuten intensiven Forschungsbedarf. Die Weltgesundheitsorganisation definiert sexuelle Gewalt als "jede Handlung und jeden Versuch, einen sexuellen Akt ... gegen die Sexualität einer Person, mit Zwang von jeglicher Person ... in in jeglichem Setting zu erzwingen" (WHO, 2015 S. 35).

  Kerninformationen 

  • Ältere Menschen sind besonders anfällig für sexuelle Gewalt, besonders solche, die auch kognitive Beeinträchtigungen haben
  • Die Berichterstattung zu diesem Thema ist wenig bis kaum vorhanden, was das Problem noch verstärken kann

  Lernziele 

  1. Seien Sie sich bewusst, dass sexuelle Gewalt und Missbrauch von älteren Menschen weitgehend unterschätzt wird
  2. Achten Sie auf die Arten von Missbrauch und potenzielle Indikatoren
  3. Kennen Sie Strategien, die im Gesundheits- und Sozialbereich Arbeitenden dabei helfen sollen, auf Anzeichen sexueller Gewalt oder Missbrauchs zu reagieren.

  Inhalt

 Akte sexueller Gewalt gegen ältere Menschen können sein:

  • Vergewaltigung - einschließlich der Penetration von mit anderen Gegenständen
  • Belästigung - einschließlich unerwünschte Berührung der Genitalien und gezwungene Masturbation und/oder Oralsex
  • Die Anfertigung von sexuellen Fotos der älteren Person ohne deren Zustimmung
  • Aufdringliche und unnötige Prozeduren an den Genitalien oder am Rektum
  • Exhibitionismus und/oder Voyeurismus – Sich vor der älteren Person auszuziehen oder zu masturbieren oder die ältere Person ohne deren Zustimmung zu beobachten, wenn sie nackt ist
  • Jegliche unerwünschten sexuellen Berührungen
  • Bedrohungen mit sexuellem Missbrauchs und sexueller Belästigung

(Chihowski & Hughes, 2008; Ramsey-Klawsnik, 2004).

Sexuelle Gewalt oder sexueller Missbrauch von älteren Menschen kann durch Partner, Familienmitglieder, Fremde und Betreuer verübt werden. Ältere Menschen mit Demenz und Frauen sind besonders anfällig für sexuellen Missbrauch (Burgess & Phillips, 2006). Sexuelle Gewalt und sexuellem Missbrauch von älteren Menschen kann für die Opfer zu erheblichen psychischen und emotionalen Problemen führen, sowie einen negativen Einfluss auf ihre körperliche Gesundheit und ihr Wohlbefinden haben. Darüber hinaus müssen ältere Menschen eher als jüngere aufgrund sexueller Gewalt ins Krankenhaus und erleiden oft schwere Verletzungen und Genitaltraumata. (Burgess & Philips, 2006; Burgess, Hanrahan & Baker, 2005; Eckert & Sugar, 2008) Bei Patienten mit Demenz, vor allem bei solchen mit begrenzten verbalen Fähigkeiten, kann die Aufdeckung von sexuellem Missbrauch schwierig sein, da durchschnittlich nur einer von acht dazu in der Lage ist, den Missbrauch selbst zu melden. (Burgess & Philips, 2006).

Erkennen der Anzeichen

Wenn das Opfer den sexuellen Missbrauch nicht anzeigt oder anzeigen kann, sollte das Pflegepersonal aufmerksam auf die körperlichen Anzeichen sexueller Gewalt achten. Während Patienten mit Demenz eher physisch gezwungen werden als Patienten ohne Demenz, sollte jegliche Anzeichen eines physischen Traumas bei einem Patienten eingehend untersucht werden.

Zu möglichen körperlichen Anzeichen von sexuellem Missbrauch können gehören:

  • Quetschungen an den Armen und Handgelenken von gewaltsamem Festhalten
  • Quetschungen oder empfindliche Stellen im Genitalbereich
  • Vaginale oder rektale Blutungen
  • Abschürfungen, Schwellungen, Rötungen oder Risse im Genital- und/oder Analbereich

Viele ältere Patienten, die kognitiv beeinträchtigt sind und mit Demenz und/oder Alzheimer leben teilen ihre Not durch ihr Verhalten mit, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, verbal zu kommunizieren. (Benbow & Haddad 1993).

Eine Offenbarung durch Verhalten kann auf viele verschiedene Arten auftreten:

  • Indirekte Aussagen (wie zum Beispiel in der "Bringen Sie das nicht in meine Nähe!")
  • Plötzliche Verhaltensänderungen, zurückgezogen werden, die Verweigerung persönlicher Betreuung, oder der Rückzug in eine fötale Position
  • Ängstliche oder ambivalente Reaktion auf den vermutlichen Täter
  • Wachsame Antworten wenn über Missbrauch gefragt wird
  • Verstimmung oder Beunruhigung bei persönlicher Pflege
Strategien zur Bewältigung des Missbrauchspotenzials

Da viele ältere Menschen, vor allem diejenigen mit kognitiven Beeinträchtigungen, ständig von einer Pflegerin/einem Pfleger begleitet werden, kann es für diese besonders herausfordernd sein, über sexuellen Missbrauch zu sprechen, wenn sie einen solchen vermuten. In einem solchen Fall empfiehlt es sich, das vermutete Opfer unter vier Augen und in einer ruhigen Situation darauf anzusprechen (O'Connor et al., 2009). In Fällen, in denen die ältere Person, eine kognitive Beeinträchtigung hat, sollte PflegerInnen folgendes bewusst sein:

  • Verwenden Sie klare, direkte und nicht-emotionale Sprache
  • Sprechen Sie langsam und deutlich
  • Verwenden keine Leitfragen
  • Stellen Sie nur eine Frage auf einmal
  • Fragen Sie nach Was, Wer, Wo und Wann aber nicht nach dem Warum
  • Geduldiges Auftreten und Verhalten
  • Verwenden Sie eine der Person vertraute Sprache und Terminologie Beschäftigen
  • Verwenden Sie Sehhilfen, wo möglich

(Downes et al, 2013:. 16).

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