Einheit 3: Medikamente , Sucht und Alkohol

Viele ältere Menschen nehmen viele unterschiedliche Medikamente für verschiedene Krankheiten ein, die wiederum verschiedene Nebenwirkungen haben können. Eine dieser Nebenwirkungen ist z.B. verringerte Libido (Hill und Wee). Außerdem besteht bei älteren Menschen, wie bei jeder anderen gesellschaftlichen Gruppe, das Risiko von Abhängigkeiten.  

 

  Einführung

Viele ältere Menschen nehmen viele unterschiedliche Medikamente für verschiedene Krankheiten ein, die wiederum verschiedene Nebenwirkungen haben können. Eine dieser Nebenwirkungen ist z.B. verringerte Libido (Hill und Wee). Außerdem besteht bei älteren Menschen, wie bei jeder anderen gesellschaftlichen Gruppe, das Risiko von Abhängigkeiten.  Zum Beispiel ist es nicht ungewöhnlich, dass ältere Menschen nach dem Tod des Ehepartners, einer Scheidung, der Pensionierung oder einer anderen großen Veränderung im Leben, anfangen, vermehrt Alkohol oder Medikamente zu konsumieren. Tatsächlich zeigen sich die ersten Anzeichen einer Abhängigkeit meist nicht vor dem Alter von 70-79 Jahren (14% der Männer und 28% der Frauen sind alkoholabhängig). Für viele Menschen bedeutet die Pensionierung eine negative Erfahrung, die mit einer Verschlechterung des sozialen Status, einem niedrigeren Einkommen und schlechteren Lebensstandard verbunden ist. Darüber hinaus können ältere Menschen das Leere-Nest-Syndrom erleben, es können gesundheitliche Probleme, zunehmender Verlust der kognitiven Funktion und vermindertes sexuelles Verlangen auftreten, was dann zu einem erhöhten Alkoholkonsum führt, obwohl sie in früheren Jahren kein solches Verhalten an den Tag legten.

Wenn es um Alkoholismus bei älteren Menschen geht, gibt es einen klaren Mangel an vergleichbaren Studien. Zum Beispiel wurden die meisten Studien in den Vereinigten Staaten durchgeführt.

Sucht ist jedoch nicht das einzige Problem, das ältere Menschen erleben. Zum Beispiel verbinden viele Menschen ihre verminderte Libido mit dem fortgeschrittenen Alter, während es dafür viele verschiedene Ursachen geben kann, unter anderem die vorschriftsmäßige Verwendung von vom Arzt verschriebenen Medikamenten. Camacho und Reyes-Ortiz (2005) weisen darauf hin, dass, obwohl das Altern und der Rückgang vieler Körperfunktionen die sexuelle Funktion beeinträchtigen können, Ärzte bei der Diagnose einer sexuellen Dysfunktion zuerst Krankheiten und die Nebenwirkungen von Medikamenten ausschließen sollten.

Das Risiko mit einer Polymedikation behandelt zu werden, steigt auch mit dem Alter. Viel wichtiger ist aber vielleicht, dass die Patienten oft glauben, dass alle neuen Symptome eine Folge des Alters sind und ihr Auftreten keinem Arzt mitteilen. Wenn sich das medizinische Personal nicht erkundigt, werden Nebenwirkungen oft nicht erkannt und übersehen. Deshalb sollten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger im Blick haben, dass neue Symptome, wie z.B. verminderte Libido, zu wenig Scheidenfeuchtigkeit oder erektile Dysfunktion von der Einnahme von Medikamenten kommen können(Camacho & Reyes-Ortiz 2005).

Verminderte Libido ist jedoch nicht das einzige Problem. Ältere Patienten klagen möglicherweise über ein neues Symptom bei ihrem Arzt, das eigentlich ein Nebeneffekt ihrer Medikation ist. Wenn sie dann einen anderen Spezialisten besuchen, der nicht mit der genauen Medikamente vertraut ist, verschreibt dieser eventuell neue Medikamente, was zu einem gefährlichen Teufelskreis führen kann.

Wie in dem Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht klargemacht wird, sind ältere Menschen eine besonders gefährdete Gruppe, wenn es um das Thema Drogenmissbrauch geht. Ältere Erwachsene sind häufige Nutzer von verschreibungspflichtigen und von frei verkäuflichen Medikamenten, was auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass der Alterungsprozess oft mit sozialen, psychologischen und gesundheitlichen Problemen verbunden ist.

  Kerninformationen 

  • Ältere Menschen brauchen oft verschiedene Medikamente zur gleichen Zeit, was negative Effekte haben kann
  • Gravierende Änderungen, das Altern, der Verlust eines Ehepartners, Pensionierung oder das Leere-Nest-Syndrom können ältere Menschen zu Drogen- oder Alkoholabhängigkeit führen
  • Medikamente und Alkohol haben Auswirkungen auf die Libido und dies muss von medizinischem Personal im Umgang mit älteren Menschen berücksichtigt werden

  Lernziele

 Am Ende dieser Einheit wird folgendes von Ihnen erwartet:

  1. Sie wissen um die Folgen Bescheid, die die gleichzeitige Einnahme von mehreren verschiedenen Medikamenten für ältere Menschen haben können
  2. Sie haben erkannt, dass große Veränderungen im Leben ältere Menschen anfälliger für den Drogen- und Alkoholmissbrauch machen können
  3. Sie sind sich der Tatsache bewusst, dass sowohl Medikamente als auch Alkohol einen Einfluss auf die Libido haben können und dass dies im medizinischen Umgang mit älteren Menschen beachtet werden muss

 

  Inhalt

 

Fallstudie

"Ruth" war in jungen Jahren für ihre große Schönheit bekannt. Seit sie sich erinnern kann, hat sie von allen Seiten Komplimente für ihr Äußeres bekommen. Mit zunehmendem Alter wurden die Komplimente jedoch immer weniger und nach ihrer Pensionierung fiel sie in eine tiefe Depression. Dies führte dazu, dass die Beziehung mit ihrem Mann brüchig zu werden begann, da sie mit ihrem eigenen Körper so unzufrieden war, dass sie keine intimen Momente mehr zulassen konnte. Sie begann Antidepressiva zu nehmen, die jedoch nicht halfen und so wurden nur ihre Depressionen und die von Spezialisten verschriebenen Medikamente immer stärker. Die Medikamente verminderten ihre Libido immer weiter und wirkten sich negativ auf die Intimität mit ihrem Partner aus. Am Ende schlug der Hausarzt Ruth vor, zu einer Gruppe von Anonymen Alkoholikern zu gehen, da es in der Stadt keine andere Selbsthilfegruppe gab. Gemeinsam mit ihrem Mann, der sie jeden Schritt ihres Weges begleitete, ging sie zu den Treffen. Durch das Schritt-für-Schritt-Programm, das den Menschen dabei half ihre Sucht loszuwerden, entledigte sie sich ihrer Depression und ist nun in der Lage, das Leben zu führen, dass sie auch vor der Pensionierung geführt hat.

Reflektierende Diskussion
  1. Ältere Menschen werden von verschiedenen Spezialisten oft polymedikamentös eingestellt. Glauben Sie, dass in diese Entscheidungen auch Pharmazeuten miteinbezogen werden sollten, da alle Medikamente verschiedene Nebenwirkungen haben?
  2. Wie würden Sie eine ältere Person dazu ermutigen, mit den Ärzten offen über den Mangel an Libido, der von den verschriebenen Medikamenten (meist Barbiturate und Medikamente gegen Bluthochdruck) kommt, zu sprechen?
  3. Ruth fand einen Weg aus ihrer Depression durch ein Schritt-für-Schritt-Programm. Was für andere Aktivitäten und Möglichkeiten würden sie Menschen in solchen Situationen vorschlagen, bevor diese zu stärkeren Medikamenten greifen?

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Text für Einheit 3

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.