Einheit 1: Die Langzeitpflege

Nationale Definitionen von Langzeitpflege variieren innerhalb der Europäischen Union. Diese Schwankungen spiegeln Unterschiede in der Dauer des Aufenthalts, des Angebots und der oft unscharfen Trennlinie zwischen medizinischen (Gesundheitswesen) und nicht-medizinischen (sozialen)Dienstleistungen wieder. Einige Länder, konzentrieren sich zum Beispiel lieber auf die ambulante Behandlung und Rehabilitation, die hier früher zum Einsatz kommt als in anderen Ländern, die den Fokus stärker auf die Betreuung in Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen legen(Europäische Kommission 2008).

  Einführung

Nationale Definitionen von Langzeitpflege variieren innerhalb der Europäischen Union. Diese Schwankungen spiegeln Unterschiede in der Dauer des Aufenthalts, des Angebots und der oft unscharfen Trennlinie zwischen medizinischen (Gesundheitswesen) und nicht-medizinischen (sozialen)Dienstleistungen wieder. Einige Länder, konzentrieren sich zum Beispiel lieber auf die ambulante Behandlung und Rehabilitation, die hier früher zum Einsatz kommt als in anderen Ländern, die den Fokus stärker auf die Betreuung in Krankenhäusern oder ähnlichen Einrichtungen legen(Europäische Kommission 2008).

Die Europäische Charta der Rechte und Pflichten der älteren Menschen mit Bedarf nach Langzeitpflege sagt folgendes:

"Die Europäische Union anerkennt und respektiert die Rechte älterer Menschen, die auf andere Menschen für ihre Pflege angewiesen sind, ein Leben in Würde und Unabhängigkeit zu führen und sich am sozialen und kulturellen Leben zu beteiligen(Charta der Grundrechte der EU, Artikel 25..) ... Mitgliedstaaten sollten Strategien entwickeln, die diese Rechte zu Hause und in Pflegeinstituten fördern und die das Pflegepersonal unterstützen. Krankenschwestern mit erweiterter Ausbildung und Erfahrung gehen einher mit Verbesserungen des Gesundheitszustandes und Verhaltens von Langzeitpflegepatienten und größerer Zufriedenheit bei den Familien.“ (Europäische Kommission, 2010)

Nichts desto trotz kann es in der Praxis schwierig sein, zu unterscheiden wann ein Recht zugesprochen werden muss und wann es im besten Interesse des Patienten ist, dieses Recht einzuschränken. Zum Beispiel kann ein Patient Medikamente benötigen, um seine Gesundheit aufrecht zu erhalten, er kann dies aber aufgrund verminderter geistiger Kapazitäten nicht akzeptieren. Unter solchen Umständen werden Medikamente oft in Speisen oder Getränken, ohne das Wissen des Patienten, verabreicht, eine Praxis, bekannt als verdeckte Verschreibung (Haw & Stubbs 2010). Dies ist sehr umstritten, da die Grenze zwischen dem Agieren im besten Interesse einer Person und einem chemischen Eingriff sehr schmal ist und hier leicht verwischen kann.

Medikamente und Arzneimittel werden genauer in Einheit 3 dieses Moduls behandelt. Wie solche Beispiele zeigen, kann es im Bereich der Langzeitpflege zu erheblichen ethischen Herausforderungen kommen. Insbesondere Gesundheits- und Sozialbetreuungspersonal muss versuchen, zwischen den Rechten, Wünschen und Pflichten der Person zu balancieren, auch in Bereichen wie Sexualität und Intimität.

  Kerninformationen

  • Unabhängig vom Alter, hat jede Person ein Bedürfnis nach Liebe, Intimität und Gesellschaft, auch Personen in Langzeitpflegeeinrichtungen.
  • Betreuer im Gesundheits- und Sozialbereich können ältere Menschen dazu ermutigen, weiterhin Intimität und ein gesundes Sexualleben zu genießen.
  • Die Rechte, Pflichten und Wünsche aller beteiligten Akteure kann die in der Langzeitpflege Beschäftigten in Situationen mit ethischen Herausforderungen bringen.

  Lernziele

 Am Ende dieser Unit wird folgendes von Ihnen erwartet:

  1. Sie wissen, das Intimität und Sexualität wichtige Teile des menschlichen Lebens sind, die sich zwar mit dem Alter verändern, die als Grundbedürfnisse jedoch nicht verschwinden.
  2. Sie kennen die Herausforderungen von Intimität und Sexualität in der Langzeitpflege.
  3. Sie verstehen die Notwendigkeit, die Rechte, Pflichten und Wünsche aller Akteure zu balancieren.

 

  Inhalt

 
Rechte und Pflichten der Bewohner

 Als Antwort auf das oft heikle Thema Sexualität in der Geriatrie, haben einige Einrichtungen feste Richtlinien und Prozeduren etabliert, um sicherzustellen, dass das Personal die Rechte der Patienten unterstützt. Diese Richtlinien beinhalten oft die Rechte der Bewohner auf Privatsphäre, sexuellen Ausdruck und intime Beziehungen sowie die Abgrenzung der Pflichten des Personals, was die Wahrung dieser Rechte angeht. Die Rechte der Bewohner einer Langzeitpflegeeinrichtung auf geeignete sexuelle Aktivitäten werden nicht immer klargestellt und vom Personal unterstützt. Sisk (n.d.) stellt fest: "Wärme, Nähe und Berührung mit einem anderen Bewohner hilft, die tiefe Einsamkeit zu lindern, die viele ältere Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen erleben." Es ist wichtig zu erkennen, dass die Bewohner nicht notwendigerweise nur sexuelle Befriedigung suchen, sondern sie suchen oftmals viel eher nach dem "Komfort, Gesellschaft und menschlicher Nähe, um die Gefühle von Verlust und Isolation zu bekämpfen". (Sisk, nd).

Fallstudie

Ana lebt in einem Pflegeheim. Sie ist 67 Jahre alt und hat regelmäßig Geschlechtsverkehr mit ihrem Partner, der sie zweimal in der Woche besucht. Weil sie sich nicht waschen kann, ihre Haare kämmen, ihre Kleidung wechseln oder sich sonst um sich selbst kümmern kann, bekommt sie täglich Hilfe von Krankenschwestern. Weil sie regelmäßigen Geschlechtsverkehr hat, bereiten ihre Krankenschwestern sie darauf vor. Sie sorgen für ihre anale und genitale Hygiene, waschen sie, wechseln ihre Bettwäsche und positionieren sie in Übereinstimmung mit den Wünschen ihres Partners. Anas Partner ist während den ganzen Vorbereitungen für den Geschlechtsverkehr anwesend. Nach dem Geschlechtsverkehr ruft ihr Partner die Krankenschwestern, die Ana reinigen, sie wieder anziehen und die Bettlaken wechseln - wieder in Anwesenheit von Anas Partner. Ana bestärkt ihren Partner in seinem Verhalten, da es ihm große Freude zu bereiten scheint, die Krankenschwestern zu beobachten. Einige der Krankenschwestern jedoch finden diese Art von Verhalten unangemessen.

Diskussion - Fragen für die Fallstudie
  1. Glauben Sie, dass neben dem Recht des Bewohners auf Sexualität, auch der Wunsch des Partners (bei der Vorbereitung anwesend sein zu können) anerkannt werden sollte?
  2. Sind die Pflegerinnen Ihrer Meinung nach verpflichtet, die Bewohnerin vor ihrem Mann vorzubereiten? Warum/warum nicht?
  3. Glauben Sie, dass die Anwesenheit des Partners bei der Vorbereitung für den Sexualakt, die Würde der Bewohnerin in Frage stellt? Begründen Sie Ihre Antwort.

 

 

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Text für Einheit 1

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.