Einheit 4: Beziehungsänderungen (aufgrund des Alters)

Im Verlauf einer Beziehung muss die Balance zwischen Intimität und Abstand insbesondere bei Beziehungsveränderungen zum Beispiel auf Grund neuer Lebensereignisse neu austariert werden. Hierzu gehört „zwangsläufig“ der Eintritt in den Ruhestand. Mit dem Eintritt in diesen müssen bestehende häusliche und partnerschaftliche Rollenstrukturen angepasst oder neugestaltet werden. Diese und andere (Lebens-)Veränderungen aufgrund des Alters wie zum Beispiel bei Krankheit oder Verlust eines Partners, Auszug der Kinder und Veränderungen der Wohnform ziehen auch Beziehungsveränderungen nach sich.

  Einführung

Im Verlauf einer Beziehung muss die Balance zwischen Intimität und Abstand insbesondere bei Beziehungsveränderungen zum Beispiel auf Grund neuer Lebensereignisse neu austariert werden. Hierzu gehört „zwangsläufig“ der Eintritt in den Ruhestand. Mit dem Eintritt in diesen müssen bestehende häusliche und partnerschaftliche Rollenstrukturen angepasst oder neugestaltet werden. Diese und andere (Lebens-)Veränderungen aufgrund des Alters wie zum Beispiel bei Krankheit oder Verlust eines Partners, Auszug der Kinder und Veränderungen der Wohnform ziehen auch Beziehungsveränderungen nach sich.

Das Modell der selektiven Optimierung und Kompensation (SOK-Modell; siehe Anhang)  beschreibt die Kompetenz, dass Ältere ein Maximum an Lebensqualität (z.B. in sozialen Beziehungen) erzielen können, durch bestmögliche Erschließung der verbleibenden Ressourcen und Fähigkeiten (Baltes at al. 1998).

Der Eintritt in die nachberufliche Phase bedarf einer längeren Anpassungsphase aller beteiligten Personen. Die neue intensivere Nähe kann bestehende Probleme und Konflikte stärker in den Vordergrund rücken, kann aber auch stimulierend für die Beziehung sein. Paare haben mehr Zeit und Ruhe um neue gemeinsame Ideen zu verwirklichen, und auch für die Sexualität ergeben sich neue Möglichkeiten.

Trennung und Scheidung gehört zu den einschneidenden Veränderungen in einer (Ehe-) Beziehung. Die deutsche Statistik weist aus, dass weniger Ehen geschieden werden. Hier schlägt sich nieder, dass weniger geheiratet wird. Bezüglich der Älteren zeigen die Zahlen, dass sich die Scheidungsraten nach der Silberhochzeit (25 Jahre Ehe oder ein viertel Jahrhundert mit ein und demselben Partner) in den letzten 20 Jahren verdoppelt haben. Daneben wird noch die Trennung ohne Scheidung praktiziert, um bei Tod des Partners die Rentenansprüche nach dem deutschen Recht nicht zu verlieren.

Die folgende Grafik zeigt die Statistik der Anzahl der Ehescheidungen in Europa als Zeitreihe  von 1990 bis 2004. Im Jahr 1990 wurden in Europa 1.646.616 Ehen geschieden. Für den Europa-Wert wurden Daten folgender europäischer Länder aggregiert: Deutschland, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Republik Moldau, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Russische Föderation, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechische Republik, Türkei, Ukraine, Weißrussland, Zypern. Die Daten wurden den Statistischen Jahrbüchern für das Ausland der Jahre 1994 bis 2006 entnommen.

Grafik 2: Statistik Anzahl der Ehescheidungen in Europa; Quelle: Statistisches Bundesamt

Mit steigendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit die Partnerin oder den Partner durch Tod zu verlieren zu. Verlust und Trauer  müssen verarbeitet und akzeptiert werden. Den Alleingebliebenen fällt es oft schwer eine neue (Liebes-)Beziehung aufzubauen. Mit dem Verlust umzugehen, gehen Menschen unterschiedliche Wege. Während die einen schnell einen neuen (Sexual-)Partner suchen, verlieren andere den Wunsch nach neuer Partnerschaft und Intimität. Sexualität in einer neuen Beziehung wird oft im näheren Umfeld z. B. aus Scham nicht thematisiert. Insgesamt ist die Trauerbewältigung bislang ein wenig erforschtes Forschungsfeld.

Eine weitere Veränderung der partnerschaftlichen Beziehung kann der Auszug der Kinder aus dem gemeinsamen Haushalt mit sich bringen. Die „Empty Nest-Phase“ bringt nicht nur strukturelle Veränderungen in das familiäre System. Für Eltern bringt diese neue Situation emotionale, psychische und soziale Herausforderungen die sich positiv, aber auch negativ auf ihr Leben und Beziehung  auswirken können. Während früher die postparentale Phase im mittleren Erwachsenenalter angesiedelt (40-60 Lebensjahr) war, verschiebt sich diese bedingt durch die spätere Erstgeburt und die verlängerte Ausbildungsphase der Kinder. Bei der sich prognostizierten verlängernden Lebenserwartung kann sie bis 30 Jahre andauern.

Eine schwierige (Partner-)Entscheidung ist es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, in ein Alten- oder Pflegeheim umzuziehen. Sehr häufig besteht der Wunsch Älterer so lange wie möglich in der gewohnten häuslichen Umgebung verbleiben zu können. Als pflegebedürftig gelten Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung im Bereich der Körperpflege, der Mobilität, der Ernährung und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer (mindestens 6 Monate) in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürftig sind.

Wenn Grenzen häuslicher Betreuung erreicht sind muss mit dem Partner oder wenn es nicht mehr möglich (z.B. wegen einer dementiellen Erkrankung) mit nahen Angehörigen oder mit dem Hausarzt die weitere Vorgehensweise zur Unterbringung abgeklärt werden.

 

  Kernaussagen

  1. Auf Grund neuer Lebensereignisse muss die Balance zwischen Intimität und Abstand neu austariert werden.
  2. Mit dem Eintritt in den Ruhestand müssen bestehende häusliche und partnerschaftliche Rollenstrukturen angepasst oder neugestaltet werden.
  3. Trennung und Scheidung gehört zu den einschneidenden Veränderungen in einer (Ehe-) Beziehung.
  4. Gemeinsame (Partner-)Entscheidung für die geeignete Wohnform im hochbetagten Alter suchen sollte bei Zeiten gesucht werden.

  Lernziele

  1. Bennen Sie die zentrale Aussage des Modells der selektiven Optimierung und Kompensation im Alter.
  2. Überlegen Sie, wann der richtige Zeitpunkt um die jetzige Wohnsituation (die ihrer Eltern) zu ändern (bezogen auf Alter), sein könnte.

 

 

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Text für Einheit 4

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.