Einheit 2: Sexualität mit/ohne Partner Sexuality with/without partner

Alterssexualität meint das sexuelle Empfinden von Menschen und das Ausleben von Sexualität im Alter. Gerade für die Zielgruppe alter Menschen wird ein breites Begriffsverständnis von Sexualität gefordert. Hier stehen oft andere sexuelle Aktivitäten, die  über den Geschlechtsverkehr hinausgehen wie z.B. Masturbation oder der Austausch von Zärtlichkeit im Vordergrund.

  Einführung

Alterssexualität meint das sexuelle Empfinden von Menschen und das Ausleben von Sexualität im Alter. Gerade für die Zielgruppe alter Menschen wird ein breites Begriffsverständnis von Sexualität gefordert. Hier stehen oft andere sexuelle Aktivitäten, die  über den Geschlechtsverkehr hinausgehen wie z.B. Masturbation oder der Austausch von Zärtlichkeit im Vordergrund.

Die Alterssexualität wird von biologischen (körperliche Voraussetzungen, Erkrankungen), psychischen (kognitive Leistungsfähigkeit, Persönlichkeit, Verhalten), sozialen (soziale Beziehungen, Partnerschaft, Familie) und ökologischen/kontextuellen (Wohnverhältnisse, Infrastruktur, Finanzen) Faktoren bestimmt (Gatterer 1994).

Nach wie vor ist das Sexualleben Älterer, insbesondere älterer Frauen tabuisiert. Unsere westliche auf „ewige“ Jugend eigestellte Gesellschaft  wird immer noch von „double standard of aging“ beeinflusst. Das bedeutet, dass Frauen im Gegensatz zu Männern früher als unattraktiv, alt und asexuell wahrgenommen werden.

Dabei kann Sexualität auch für Ältere als eine angenehme, lohnende und bereichernde Erfahrung zum erfüllenden Alter gehören. Die mit der Sexualität verbundenen Einstellungen und Ansichten, die wir im Laufe des Lebens erworben haben, prägen uns auch im Alter. Gerade im Alter wird man mit widersprüchlichen Einstellungen und Unkenntnis von anderen Personen, der Gesellschaft aber auch durch uns selbst zum Thema Sexualität konfrontiert.

Gerade die nachberufliche Phase eröffnet die Möglichkeit Sexualität neu zu erleben: Die Kinder sind erwachsen und haben das Haus verlassen, Frau und Mann haben mehr  Zeit und Ruhe für einander. Die Sorge um eine ungewollte Schwangerschaft entfällt, die Verhütung spielt in einer vertrauten Partnerschaft keine Rolle. Die Veränderungen im Alter können durchaus zu einer befriedigenderen und erfüllteren Sexualität führen.

Studien zeigen, dass die sexuelle Aktivität sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern im höheren Lebensalter nachlässt. Während Frauen zwischen 18 und 40 Jahren etwas sexuell aktiver sind als Männer, verändert sich diese Entwicklung im Alter deutlich zu Gunsten der Männer. Bei den über 60-jährigen sind mehr als doppelt so viele Männer als Frauen sexuell aktiv (Unger & Brähler 1998). Den wichtigsten Einfluss auf sexuelle Aktivität ist das Vorhandensein oder Fehlen einer Partnerschaft. Neben dem Fehlen von Partnerschaft haben auch soziale Benachteiligungen wie zum Beispiel frühe Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen bei den Männern und Faktoren des Wohnsitzes negativen Einfluss auf sexuelle Aktivitäten. Sexuelle Aktivität im Alter kann sich auch aufgrund physischen und hormonellen Veränderungen verringern.

In der seit 1993 laufenden „Interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters“ (ILSE) mit Fragen zur Bedeutung von Sexualität und Intimität im Alter wurde die Zärtlichkeit als der entscheidender Faktor für Partnerschaftszufriedenheit identifiziert (Müller, 2014). 91 Prozent der Männer und 81 Prozent der Frauen im Alter von 74 Jahren räumten der Zärtlichkeit in ihren Partnerschaften einen wichtigen Platz ein. Dies ist der Schlüssel für die Partnerschaftszufriedenheit im Alter. Für 61 Prozent der Männer und für 21 Prozent der Frauen spielte die Sexualität eine bedeutende Rolle. Das Hauptanliegen von ILSE besteht darin, Bedingungen für ein gesundes, selbstverantwortliches und zufriedenes Älterwerden zu erforschen. Dabei werden individuelle, gesellschaftliche und materielle Bedingungen der Älteren berücksichtigt.

Als einzig relevant für die Partnerschaftszufriedenheit im Alter erwies sich die Zärtlichkeit. Die fünf untersuchten Aspekte in der ILSE-Studie waren:  Bildungsgrad, physischer Gesundheitszustand, Dauer der Partnerschaft, Bedeutung von Sexualität sowie Zärtlichkeit.

Einer der Hauptgründe für die abnehmende Häufigkeit der sexuellen Aktivitäten im Alter ist die fehlende Partnerschaft. Gerade für Frauen ist es ein Hindernis sexuell aktiv zu sein. Einen neuen Partner zu finden erweist sich als schwierig, da die Männer im Durschnitt früher sterben und nur noch ein Drittel der allein lebenden Frauen bereit ist, sich erneut zu binden. Generelle Beziehungsprobleme, Erkrankungen oder der Verlust des Partners können die Libido reduzieren (Schultz-Zehden 2004).

Selbststimulation oder Masturbation ist eine selbständige Spielart der Sexualität gerade dann, wenn ein Partner nicht vorhanden ist. Laut Butler u. Lewis (1996) wird die Masturbation bis ins hohe Alter hinein praktiziert. Einige Menschen beginnen auch erst im Alter, sich regelmäßig selbst zu befriedigen, z.B. weil sie keine Partnerin oder keinen Partner oder körperliche Einschränkungen haben.

Ältere sollen sich nicht von negativen gesellschaftlichen Wertmaßstäben entmutigen lassen. In jeder Phase des Lebens können neue Erfahrungen und Begegnungen auch zur Bereicherung des Sexuallebens führen.

  Kernaussagen

  1. Sexualleben Älterer, insbesondere älterer Frauen ist immer noch tabuisiert.
  2. Sexualität kann als bereichernde Erfahrung zum erfüllenden Alter gehören.
  3. Studien zeigen, dass die sexuelle Aktivität sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern im höheren Lebensalter nachlässt.
  4. In Studien wurde Zärtlichkeit als der entscheidender Faktor für Partnerschafts-zufriedenheit identifiziert.
  5. Hauptgrund für die abnehmende Häufigkeit der sexuellen Aktivitäten im Alter ist die fehlende Partnerschaft.

  Lernziele

  1. Welche Faktoren beeinflussen die Alterssexualität?
  2. Deuten Sie die zentrale Aussage der ILSE-Studie für die Bedürfnisse der Älteren.
  3. Nennen Sie den Hauptgrund für die nachlassende Sexualität im Alter.

 

 

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Text für Einheit 2

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