Einheit 4: Veränderungen in der sexuellen Praxis

Wenn Menschen älter werden, kann es sein, dass sie Veränderungen in ihrem Sexualleben erfahren. Dazu kann gehören mit weniger oder mehr Sex zu haben, anders Sex zu haben als zuvor, oder mit einem anderen Partner. Menschen in langfristigen Beziehungen erleben eher einen Rückgang der sexuellen Aktivität, wenn sie älter werden. Diejenigen, die neue Beziehungen haben, berichten von einem Anstieg.

 Einführung

Wenn Menschen älter werden, kann es sein, dass sie Veränderungen in ihrem Sexualleben erfahren. Dazu kann gehören mit weniger oder mehr Sex zu haben, anders Sex zu haben als zuvor, oder mit einem anderen Partner. Menschen in langfristigen Beziehungen erleben eher einen Rückgang der sexuellen Aktivität, wenn sie älter werden. Diejenigen, die neue Beziehungen haben, berichten von einem Anstieg.

Gründe für die Veränderungen in der sexuellen Praxis ab unseren 60ern und später beziehen sich auf eine Reihe von Faktoren: die Diagnose oder das Zurechtkommen mit einer chronischen Krankheit; Medikamente, die aufgrund dieser chronischen Krankheit eingenommen werden müssen; Probleme mit der Körperwahrnehmung; psychisches Befinden einschließlich Depressionen; die Qualität unserer intimen Beziehungen; und spezifische sexuelle Probleme wie Erektionsstörungen oder den Verlust von sexuellem Verlangen.

Auch jüngere Menschen können von diesen Problemen betroffen sein. Aber einige sexuelle Probleme werden mit zunehmendem Alter in Verbindung gebracht. Dazu gehören bei Männern eine längere Refraktärperiode (die Erholungsphase nach dem Orgasmus) sowie eine verminderte Fähigkeit, die Ejakulation zu verzögern und eine längere Dauer, bis es überhaupt zu einer Erektion kommt. Zu den Veränderungen, die Frauen erleben können, gehören kürzere und weniger intensive Orgasmen, längere Dauer bis zur sexuellen Erregung und eine reduzierte Menge an Vaginalsekret, was zu Schmerzen bei der Penetration führen kann. Eine Abnahme des sexuellen Verlangens kann sowohl Männer als auch Frauen betreffen.

Die Gesundheit kann das Interesse einer Person an Sex und ihre Fähigkeit dazu beeinträchtigen. Zum Beispiel kann ein Schlaganfall physische und kognitive Veränderungen verursachen, die direkten Einfluss auf die Funktion der Sexualität haben, wenn es beispielsweise unangenehm ist, in manchen Positionen zu liegen oder wenn die Kommunikationsfähigkeit gestört ist, was die sexuelle Ausdrucksfähigkeit verringert.

Die Pflege eines Schlaganfall-Patienten oder einer Person mit einer anderen chronischen Krankheit kann die gesamte Beziehung wie auch die sexuelle Beziehung beeinflussen. Der/die Pflegende kann müde sein, was nachweislich das Verlangen mindert – oder die Beziehung ist durch die Pflege so sehr verändert, dass der/die Pflegende seinen/ihren Partner nicht mehr als sexuell attraktiv wahrnimmt.

Eine Reihe von häufig verschriebenen Medikamenten können Sex ebenfalls beeinflussen. Dazu gehören:

  • SSRIs und andere können das Verlangen verringern oder verhindern, dass Menschen zum Orgasmus kommen
  • Anti-Hypertensiva können Erektions- und Ejakulationsprobleme verursachen
  • Omeprazol kann zu Erektionsproblemen führen
  • Herzmedikamente können das sexuelle Verlangen ebenfalls stören

(http://www.netdoctor.co.uk/sexandrelationships/medicinessex.htm)

Die Zufriedenheit mit Sexualleben verringert sich meistens mit zunehmendem Alter und die Gründe dafür liegen in den erlebten sexuellen Problemen. Sexuelle Probleme können sich negativ auf die Beziehungen auswirken, beispielsweise können ein Mangel an Vertrautheit und zunehmende Entfernung auftreten. Es ist daher sehr wichtig, auch im späteren Leben sexuelle Schwierigkeiten anzusprechen wenn jemand mit seinem Partner/seiner Partnerin solche erlebt.

Es ist auch wichtig zu bedenken, dass nicht jeder ältere Mensch automatisch sexuelle Probleme hat.

   Kerninformationen

  • Die sexuelle Aktivität von Menschen kann sich mit zunehmendem Alter aufgrund einer Reihe von (biologischen, psychologischen, sozialen und kulturellen) Faktoren verändern.
  • Einige spezifische sexuelle Probleme haben einen Bezug zu zunehmendem Alter.

   Lernziele

 Am Ende dieser Unit wird folgendes von Ihnen erwartet:

  • Sie sind sich der vielen Faktoren bewusst, die zu sexuellen Schwierigkeiten im späteren Leben beitragen können
  • Sie verstehen, dass manche Menschen aufgrund von Veränderungen der sexuellen Aktivität leiden.
  • Sie wissen, dass manche Menschen im späteren Leben nicht aktiv sein wollen.

   Inhalt

 
Fallstudie

Geoff ist Single, aber er sehnt sich danach, wieder in einer engen Beziehung zu sein. Seit Geoffs langfristiger Partner John vor zwei Jahren gestorben ist, hat Geoff Schwierigkeiten damit, eine Erektion zu halten. Er kann nicht mehr masturbieren. Zuerst bemerkte er, dass sich zwar eine Erektion einstellte, aber schon bald verblasste und jetzt kann er überhaupt keine mehr bekommen.

Geoff ist 62 Jahre alt und will den Rest seines Lebens nicht alleine verbringen. Er hat überlegt, sich auf einer Online-Dating-Plattform anzumelden, weiß aber nicht ob sich das überhaupt lohnen würde. Er ist besorgt, dass, er dort jemanden kennenlernen würde, er auf Unverständnis bezüglich seines Problems stoßen würde; das Problem dass er keine Erektion mehr bekommen und daher keinen Sex mehr auf die übliche Art und Weise haben kann. Geoff weiß, dass es bei Sex nicht nur um Erektion geht - es gibt auch andere Aktivitäten, die man genießen kann - aber er weiß auch, dass eine Erektion dem Partner signalisiert dass, man Verlangen nach ihm hat und dass er einen sexuell erregt.

Vor 6 Monaten hatte er eine Verabredung mit einem Mann. Beide schienen es zu genießen, und Geoff fühlte einen Funken überspringen. Als sie sich am Ende des Abends küssten, wusste Geoff dass er ihn nicht wieder sehen können würde. Wie könnte er jemals seine Erektionsprobleme erklären? Und wer würde schon mit jemandem wie ihm zusammen sein wollen?

Diskussionspunkte - nutzen Sie das Internet, um Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  1. Wie groß ist die Häufigkeit von Erektionsstörungen bei Männern im Alter von 60+ in Ihrem Land?
  2. Was sind die Ursachen der erektilen Dysfunktion?
  3. Gibt es medizinische Behandlungen, die Geoff mit seinen Erektionsproblemen helfen können?
  4. Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten, die Geoff versuchen kann?
  5. Was sagt uns Geoffs Sorge um seine erektile Dysfunktion und seinen Glauben, dass er nicht fähig ist, damit eine neue Beziehung einzugehen, über Sex und Männlichkeit?

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Text für Einheit 4

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.