Einheit 1: Weiterführende Literatur und Ressourcen

Wir wissen, dass viele ältere Menschen sexuell aktiv sind, obwohl Berichte zeigen, dass die Häufigkeit der Aktivitäten im Vergleich zu Jüngeren oft reduziert ist. Wir wissen auch, dass die Bedeutung von Sexualität sich mit dem Alter verändern kann; ältere Erwachsene setzen Sex nicht automatisch mit dem klassischen Penis-Vagina-Koitus gleich, deshalb beinhaltet Sex für sie oft Aktivitäten die junge Menschen vielleicht nicht als sexuell ansehen.

   Einführung

 

Wir wissen, dass viele ältere Menschen sexuell aktiv sind, obwohl Berichte zeigen, dass die Häufigkeit der Aktivitäten im Vergleich zu Jüngeren oft reduziert ist. Wir wissen auch, dass die Bedeutung von Sexualität sich mit dem Alter verändern kann; ältere Erwachsene setzen Sex nicht automatisch mit dem klassischen Penis-Vagina-Koitus gleich, deshalb beinhaltet Sex für sie oft Aktivitäten die junge Menschen vielleicht nicht als sexuell ansehen.

Sexuelle Aktivität im späteren Leben, wenn einvernehmlichen und angenehm, kann viele Vorteile für Einzelpersonen und Paare haben. Im Zusammenspiel mit moderater Bewegung kann die sexuelle Aktivität körperliche Gesundheit erhalten. Sie kann das psychische Befinden durch eine intime und innige Verbindung mit einer anderen Person verbessern. Neben Vergnügen kann die sexuelle Aktivität die Bindung zwischen zwei Partnern stärken.

Allerdings können ältere Menschen Barrieren zu sexuellem Ausdruck erleben aufgrund altersbezogener Klischees, die sie verinnerlicht haben. Zum Beispiel können sie das Gefühl haben, dass sie an Sex in ihrem Alter nicht interessiert sein sollten. Auch andere können diese Ansichten verinnerlicht haben, darunter Ärzte, Krankenschwestern und andere Fachleute, und denken, dass ältere Menschen nicht an Sex interessiert sind. Die Auswirkungen dieses Stereotypen sind, dass ältere Menschen ihre Sexualität nicht ausdrücken können aus Furcht vor Tadel und keine Hilfe bei sexuellen Problemen erhalten können.

Historisch gesehen sind sexuelle Aktivität und spätes Erwachsenenalter im öffentlichen Diskurs nicht vereinbar ist und diese tief verwurzelte Ansicht wurde immer wieder wiederholt und verstärkt. Bei älteren Frauen haben wir eine Kombination von Sexismus und Altersdiskriminierung, da sie als Frauen mit steigendem Alter oft negativ bewertet werden.

Ein Partner kann beeinflussen, ob eine ältere Person sexuell aktiv ist oder nicht, Sex muss allerdings nicht immer mit einem Partner geteilt werden. Viele ältere Menschen befriedigen sich selbst um sexuelle Spannungen loszuwerden und um Befriedigung auch ohne einen sexuellen Partner zu erleben.

    Kerninformationen

  • Sexuelle Aktivität kann ein wichtiger Teil der Lebensqualität sein
  • Die sexuelle Aktivität und Intimität kann Vorteile für die Gesundheit und das Wohlbefinden im späteren Leben haben
  • Nicht jede ältere Person will sexuell aktiv sein und es ist wichtig, dies zu respektieren
  • Hindernisse für den sexuellen Ausdruck, und die Suche nach Hilfe für sexuelle Probleme können in Altersdiskriminierung begründet sein

   Lernziele

 

Am Ende dieser Unit wird von Ihnen folgendes erwartet:

  1. Sie verstehen die Bedeutung der sexuellen Aktivität im Leben älterer Menschen
  2. Sie sind in der Lage, die Art und Weise zu erklären, in der Menschen von sexueller Aktivität im späteren Leben profitieren können
  3. Zeigen Sie Bewusstsein dafür, dass negative Stereotypen, wie z.B. Altersdiskriminierung die Sexualität älterer Menschen stören kann

   Inhalt 

 

Fallstudie

Vor sechs Monaten hatte Barbara (im Alter von 70 Jahren) eine größere Operation, genauer gesagt eine komplette Hysterektomie und zwar aufgrund eines Tumors. Die Operation war ein Erfolg und Barbara ist froh, dass der Krebs nicht auch andere Teile ihres Körpers betroffen hat, denn „es passiert so schnell, dass einem die Gebärmutter entfernt werden muss“, sagt sie. Sie ist auch erleichtert, dass der Krebs bereits in einem so frühen Stadium entdeckt und behandelt wurde, sie weiß, dass ihre Lage sonst ganz anders aussehen könnte. Barbara hatte während ihrer gesamten Behandlung, sowohl in der Erstversorgung als auch später im Krankenhaus mit vielen Ärzten und Krankenschwestern zu tun. In all den persönlichen Gesprächen die sie mit dem medizinischen Personal geführt hat, wurde jedoch ein Thema ausgeklammert – von ihr und von den Ärzten – und zwar die Frage ab wann sie wieder sexuellen Verkehr haben kann.

Während der Heilung sind Barbara und ihr Mann Vic sich näher gekommen. Sie sagt „Der Krebs macht so etwas mit einem.“ Vor der Diagnose hatten sie ein erfülltes Sexualleben und sie wollen dies beibehalten. Beide haben jedoch Angst, etwas kaputt zu machen: Vic will Barbara nicht wehtun und Barbara ist sich unsicher, ob Geschlechtsverkehr, Teile der Operation nicht „rückgängig machen“ würde. Deshalb haben sie beide angefangen, sich damit abzufinden, nie wieder Sex zu haben. 

Diskussionsfragen für die Fallstudie:
  1. Es ist für Barbara und Vic wichtig, sexuellen Kontakt miteinander zu haben. Warum ist das Ihrer Meinung nach so?
  2. Sollte medizinisches Personal in Bezug auf die sexuelle Gesundheit älterer Menschen einem proaktiven Ansatz folgen? Wenn ja, wie können sie dies tun?
  3. Barbara vermutet, dass sie aufgrund ihres Alters keine Sexualberatung erhalten hat. Kann Barbara etwas tun, um Antworten auf ihre Fragen zu erhalten?

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Text für Einheit 1

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.